„Das Unternehmen ist verantwortlich“

veröffentlicht am 29. Januar 2026 | Kategorie: Interview

„Das Unternehmen ist verantwortlich“


ChatGPT für einen Werbetext, Midjourney für eine Präsentation – für viele Aufgaben nutzen Beschäftigte bereits künstliche Intelligenz (KI). KI-Trainerin Levke Walten erklärt, wie Firmen die Technologie einsetzen, ohne Vorschriften und Gesetze zu verletzen.

Frau Walten, in sehr vielen Unternehmen verwenden die Beschäftigten mittlerweile KI-Tools. Welche Risiken ergeben sich daraus?

Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter große Sprachmodelle wie ChatGPT nutzen, um Infos für eine Präsentation zu recherchieren oder Ideen für Social-Media-Aktivitäten zu sammeln, ist das in der Regel unkritisch. Anders sieht es aus, wenn Personendaten ins Spiel kommen – und das fängt schon bei der Adresse an. Hier muss man aufpassen, nicht gegen Vorschriften zum Datenschutz zu verstoßen.

Wo liegt das Problem?

Bei öffentlichen KIs wie der Standardversion von ChatGPT weiß man nicht genau, wo die Daten gespeichert werden und wo sie wieder auftauchen. Um beispielsweise mithilfe von KI eine Antwort auf eine E-Mail zu verfassen, sollten Nutzerinnen und Nutzer also Informationen unbedingt anonymisieren. Werden regelmäßig sensible Daten verwendet – etwa von Kunden oder Mitarbeitern – sind öffentliche KIs tabu. Wo die Nutzung sensibler Informationen die Regel ist, bieten sich interne Lösungen an, die von der Außenwelt abgeschottet sind.

Was können Unternehmen tun, um Verstößen gegen den Datenschutz vorzubeugen?

Sie sollten klare Regeln festlegen, für welche Zwecke welche KI genutzt werden darf. Außerdem muss allen Nutzerinnen und Nutzern bewusst sein, dass die Modelle manchmal halluzinieren, Ergebnisse also nicht korrekt sind. Die KI möchte immer eine Antwort geben, und wenn sie nicht genau weiß, wie die richtige Antwort lautet, denkt sie sich schon mal etwas aus.

Wer trägt die Verantwortung dafür, wenn solche KI-generierten Fehler zum Beispiel auf der Website einer Firma veröffentlicht werden?

Egal, wer einen Inhalt verfasst hat: Das Unternehmen, das ihn veröffentlicht, ist dafür verantwortlich. Man muss das Ergebnis also auf jeden Fall noch einmal kritisch prüfen, bevor es den Weg an die Öffentlichkeit findet.

Wie schaffe ich bei meiner Belegschaft das nötige Bewusstsein für diese Themen?

Indem Sie Schulungen durchführen oder auf Angebote hinweisen, mit denen man sich informieren kann. Die Mitarbeitenden müssen nicht im Detail durchdringen, wie künstliche Intelligenz funktioniert. Aber sie sollten verstehen, dass die KI Daten womöglich anderswo speichert als es die Regeln der Datenschutz-Grundverordnung erlauben.

Sollte man KI generierte Inhalte auf der Unternehmenswebsite grundsätzlich entsprechend kennzeichnen?

Die Europäische Union gibt in ihrem EU AI Act gewisse Vorgaben, in welchen Fällen solche Inhalte gekennzeichnet werden müssen, doch die sind teilweise schwammig. Um Rechtsstreitigkeiten vorzubeugen, empfehle ich, eher zu viel zu kennzeichnen als zu wenig. Das befreit einen aber trotzdem nicht davon, die Inhalte auf Richtigkeit und Gesetzmäßigkeit zu prüfen.

Wie organisiere ich etwa in einem kleinen Handwerksbetrieb am besten Einführung und Einsatz von KI?

In jedem Fall sollte man so etwas nicht von oben durchsetzen. Es ist auch nicht nur Sache der IT-Verantwortlichen zu entscheiden, welche Tools genutzt werden. Die Mitarbeitenden entscheiden im Idealfall mit, welche Prozesse unterstützt werden sollen. Am besten erarbeitet man gemeinsam eine Lösung und überträgt die Verantwortung jemandem, der wirklich motiviert ist und seine Kolleginnen und Kollegen auch mal auf Neuheiten hinweist, die für ihre Arbeit praktisch sind.

Wie finde ich bei der Vielzahl von Angeboten die Tools, die meinem Betrieb am meisten nützen?

Wir unterstützen Unternehmen dabei, einen Anforderungskatalog zu erstellen und geben einen Überblick über passende Modelle. Außerdem bieten wir Schulungen an, bei denen wir Mitarbeitenden Tipps geben, wie man möglichst effektiv mit einer KI kommuniziert.


Dr. Levke Walten ist KI-Trainerin beim Mittelstand-Digital Zentrum Hannover (MDZH), einem Konsortium der Leibniz Universität Hannover, der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen, dem Institut für Integrierte Produktion Hannover und der Technischen Universität Braunschweig. Das MDZH unterstützt kleine und mittlere Unternehmen kostenlos bei der Digitalisierung.

Interview: Christian Baulig
Foto: Mittelstand-Digital Zentrum Hannover, Roland Schneider