Druck machen

veröffentlicht am 29. Januar 2026 | Kategorie: Best Practice

Druck machen

IGO3D beliefert von Hannover aus Unternehmen und Privatkunden mit 3-D-Druckern und bleibt mit Service, Support und Werkstattleistungen auch danach ein wichtiger Partner. Das Unternehmen wächst rasant – und profitiert dabei von der internationalen Expertise der Sparkasse Hannover.

Die Blumenvase auf dem Esstisch wurde mit einem der 3D-Drucker im Hintergrund hergestellt.

„25 Prozent Wachstum wollen wir in diesem Jahr schon schaffen“, sagt Athanassios Kotrotsios und zupft dabei lässig an den Bändern seines schwarzen Kapuzenpullis. Als sei so ein Umsatzplus normal, Anfang 2026 in Deutschland, wo für viele Unternehmen stabile Einnahmen schon eine gute Nachricht sind.

Kotrotsios hat 2015 den BWL-Master mit Schwerpunkt auf Strategischer Unternehmensentwicklung gemacht. Anschließend ist er direkt beim hannoverschen Händler für 3D-Drucker IGO3D eingestiegen, da beschäftigte das Unternehmen gerade einmal sechs Menschen. Anfangs kamen die meisten Geräte aus den USA und Europa. Zu den Kunden zählten vor allem technisch versierte Privatleute, die zuhause mit Einsteigermodellen für wenige hundert Euro eigene Teile fertigten, etwa Vasen oder Actionfiguren.

Daneben lieferte IGO3D mehr und mehr Profiequipment an Unternehmen und unterstützte diese mit Beratung und After-Sales-Services. Solche Anlagen kosten bis zu einer halben Million Euro. „Heute gibt es kaum noch eine Branche, die nicht auf 3D-Drucker setzt“, sagt Kotrotsios. Mittlerweile ist er Geschäftsführer von IGO3D und hat 50 Mitarbeiter, die zuletzt mehr als 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet haben. Zu den Kunden zählen Konzerne wie Airbus und BMW – IGO3D steht mit deren Teams im engen Austausch, begleitet Projekte mit eigenen Anwendungsingenieuren und unterstützt von der Beratung bis zur Umsetzung

Wie bleibt der Cashflow stabil?

Das Geschäft mit 3D-Druckern entwickelt sich rasant: Marktführer unter den Produzenten ist Bambu Lab – das chinesische Unternehmen wurde vor gerade einmal drei Jahren gegründet. „Wir sind dynamisch aufgestellt“, sagt Kotrotsios. Man sei anpassungsfähig, habe ein breites Portfolio und könne zügig auf Markveränderungen reagieren. Wichtig fürs Wachstum ist dabei ein solider Cashflow. Doch der geriet unter Druck, weil Bambu Lab IGO3D nur gegen anteilige Vorkasse beliefern wollte.

Das änderte sich, als die Sparkasse Hannover ins Spiel kam. „Ich hatte nicht wirklich auf dem Schirm, was die Sparkasse draufhat“, sagt er. Mit seiner früheren Bank hatte Kotrotsios Bambu Lab dazu zu bewegen versucht, mit Garantien zu arbeiten. Die Bank sichert dabei gegenüber dem Begünstigten die Zahlung bis zur vereinbarten Höhe zu, falls der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.

Geschäftsführer Athanassios Kotrotsios (links) mit Firmenkundenberater Lukas Gohmert (mittig) und Florian Jack, Fachberater für Internationales Geschäft bei der Sparkasse Hannover.

Zu dieser Zeit meldete sich Sparkassen-Berater Lukas Gohmert bei IGO3D. Er wollte das Unternehmen mit dem beachtlichen Wachstum von der Sparkasse überzeugen, nachdem ein Kollege es als „Growth Champion“ in einem Wirtschaftsmagazin entdeckt hatte. „Mir geht es immer um eine ganzheitliche Perspektive und darum zu schauen, wo wir mit unserem Netzwerk weiterhelfen können“, sagt Gohmert. Er brachte Kotrotsios mit der Wirtschaftsförderung der Region Hannover in Kontakt. Und als es um die Vorfinanzierung in China ging, organisierte Gohmert ein Treffen mit dem Sparkassen-Auslandsexperten Florian Jack und dessen Mitarbeiterin Peihong Guo. Der Muttersprachlerin rief direkt bei Bambu Lab an, baute durch den Austausch auf Chinesisch schnell Vertrauen auf und konnte die Geschäftspartner nach einem intensiven Austausch vom Prinzip der Garantie überzeugen.

„Als Sparkasse macht es uns stolz, dass wir als erste Auslandsbank einem Unternehmen wie Bambu Lab mit einem Milliardenumsatz diesen neuen Weg zeigen und unseren Kunden so unterstützen konnten“, sagt Florian Jack. IGO3D war in der Lage, das Bestellvolumen zu erhöhen und trotzdem den Cashflow stabil zu halten. „Das hat uns enorm weitergeholfen“, sagt IGO3D-Geschäftsführer Kotrotsios.

Unendliche Einsatzmöglichkeiten

Das frei gewordene Kapital kann IGO3D an anderer Stelle einsetzen. In Hannover will das Unternehmen insbesondere Lager, Logistik, Showroom und Werkstatt ausbauen. Darüberhinaus plant Kotrotios, den Onlineshop zu internationalisieren und das Team zu vergrößern. „Wir erleben jetzt eine zweite Welle“, sagt der Firmenchef. 3D-Drucker werden zum Massenprodukt. Das Modell P2S Combo von Bambu Lab – Kostenpunkt rund 750 Euro – kann bis zu einer Kantenlänge von 256 Millimetern drucken. „Selbst die günstigeren Geräte liefern eine Qualität, die vor Jahren kaum denkbar schien“, sagt er.

Selbst Metall zu drucken ist für moderne 3D-Drucker kein Problem mehr, in der Medizin wird schon organisches Gewebe gedruckt – die Einsatzmöglichkeiten der additiven Fertigung scheinen endlos. Für Kotrotsios steht fest: „Wir werden weiter wachsen und diese Entwicklung aktiv mitgestalten.“

 

Text: Gerd Schild
Fotos: Helge Krückeberg