Mit Plan zum Eigenkapital
Wer eine Immobilie finanzieren möchte, sollte einen Teil der Gesamtkosten aus eigenen Mitteln bestreiten. Hat man kein Eigenkapital, dann ist es zwar grundsätzlich möglich zu Finanzieren – allerdings zu höheren Kosten. Doch wie schafft man es, in wenigen Jahren mehrere zehntausend Euro zu erwirtschaften? Mit einem klugen Sparplan.
Für die meisten Menschen ist die eigene Immobilie die größte Anschaffung Ihres Lebens. Ein durchschnittliches, gebrauchtes Ein- und Zweifamilienhaus kostete in der Landeshauptstadt Hannover nach Daten des Gutachterausschusses zuletzt fast 500.000 Euro. Eine neue Dreizimmer-Wohnung liegt oft in ähnlichen Preisregionen. Hinzu kommen beim Kauf Nebenkosten für Grunderwerbsteuer, Makler, Notar und die Eintragung ins Grundbuch in Höhe von gut zehn Prozent der Kaufsumme.

Den weitaus größten Teil dieser Summe finanzieren Käuferinnen und Käufer zumeist mit einem Kredit. Zumindest die Nebenkosten sollten sie jedoch mit eigenen Mitteln bestreiten. Doch wie schafft man es, einen so hohen Betrag anzusparen? Maresa Bock gibt auf diese Frage gerne die etwas provokante Antwort: „Durch Verzicht. Denn nichts anderes ist Sparen.“ Die Immobilienfinanzierungs-beraterin der Sparkasse Hannover nimmt Kaufwilligen jedoch die Angst vor der vermeintlichen Mammutaufgabe: „Mit etwas Disziplin lässt sich das Ziel in vielen Fällen erreichen. Und der Weg dorthin kann sogar Spaß machen.“
Was ist am Monatsende übrig?
Am Anfang aller Überlegungen steht ein Kassensturz: Wie viel Geld bleibt jeden Monat nach Abzug aller Kosten übrig, das gespart werden kann? Nutzerinnen und Nutzern des Online-Bankings hilft der „Finanzplaner“ dabei, die Umsätze zu kategorisieren. Auf einen Klick lässt sich über dieses digitale Haushaltsbuch ermitteln, wie hoch die monatlichen Ausgaben etwa für Wohnen, Versicherungen oder Restaurantbesuche sind. Maresa Bock empfiehlt, nach Sparmöglichkeiten zu suchen: „Gibt es den Handy- oder Stromvertrag anderswo nicht billiger? Kann man auf den einen oder anderen Streamingdienst verzichten?“ Fast jeder kann seine Ausgaben auf diese Weise verringern – und die mögliche Sparsumme erhöhen.
Ist der passende monatliche Sparbetrag ermittelt, geht es um Produkte, mit denen sich das Geld mehren lässt. An erster Stelle steht das Tagesgeldkonto, auf dem Einlagen, anders als beim Girokonto, verzinst werden und auf dem sich unterschiedliche Spartöpfe einrichten lassen. Maresa Bock rät, einen dieser Töpfe beispielsweise „Mein eigenes Haus“ zu nennen. „Es motiviert ungemein, dabei zuzuschauen, wie sich der Topf Monat für Monat füllt und man seinem Sparziel näherkommt“, sagt die Finanzexpertin.
Mit einem Fondssparplan zum Ziel
„Da die Rendite von Tagesgeld überschaubar ist, sollte man darüber hinaus über andere Sparformen nachdenken“, empfiehlt Bock. Je nach Risikoneigung kommen etwa Investmentfonds infrage, die das Geld am Kapitalmarkt anlegen. Kundinnen und Kunden der Sparkasse Hannover haben die Auswahl zwischen mehr als 3.000 namhaften Fonds, die in Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien investieren. Daneben können sie auch mit börsengehandelten Indexfonds (kurz: ETFs) sparen. „Je weiter das Sparziel in der Zukunft liegt, desto sinnvoller ist eine Anlage in aktienbasierte Produkte“, erklärt Bock. Wer monatlich einen festen Betrag in ein breit gestreutes, weltweites Aktienportfolio gesteckt hatte, konnte bei einer Spardauer von 15 Jahren eine durchschnittliche Rendite von acht Prozent im Jahr auf das angelegte Geld erwirtschaften. Zusammen mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater können Sie die Zinssicherheit über Bausparkonten und Fondsparen clever kombinieren. Das nützt Ihnen sehr bei der späteren Finanzierung.
„Wir beraten unsere Kundinnen und Kunden im persönlichen Gespräch oder per Video bei der Auswahl und finden die Kombination, die am besten zu ihnen passt.“ Da die Beraterinnen und Berater keine Provision von den Produktanbietern erhalten, beraten sie neutral.
Fonds lassen sich bereits ab 25 Euro pro Monat besparen. Sparsumme und Anlageprodukt sind frei wähl- und änderbar. Der Vorteil des Sparplans gegenüber Einmalanlagen: Stehen die Kurse hoch, kauft man mit seiner fixen monatlichen Rate relativ wenige Fondsanteile, sind die Kurse niedrig, erhält man entsprechend mehr. Besonders clever ist das Abräumsparen, bei dem Sparerinnen und Sparer festlegen können, wie viel Geld am Ende des Monats auf dem Girokonto stehenbleiben soll, der Rest wird in Fonds angelegt.
Staat und Arbeitgeber helfen mit
Arbeitnehmer können auch den Staat und ihren Arbeitgeber einspannen, um ihr Sparziel schneller zu erreichen, etwa durch die Nutzung vermögenswirksamer Leistungen. Darüber lassen sich auch Bausparverträge besparen, die später besonders günstige Finanzierungskonditionen ermöglichen.
Wer möglichst schnell kaufen oder bauen will oder für sein Wohnprojekt mehr Eigenkapital einbringen will, um sich einen niedrigeren Darlehenszins zu sichern, kann unter Umständen auch Verwandte bitten, das Vorhaben durch Schenkungen zu unterstützen. Über die steuerlichen Konsequenzen sollte man sich jedoch vorab unbedingt bei seinem Steuerberater erkundigen.
Ist das Sparziel erreicht und die passende Immobilie im Visier, kann es ans Finanzierungsgespräch mit den Fachleuten der Sparkasse gehen. „Wichtig ist, nicht die kompletten Ersparnisse als Eigenkapital einzusetzen“, sagt Maresa Bock. Drei bis fünf Nettogehälter sollten als Puffer auf dem Tagesgeldkonto für unvorhergesehene Ausgaben bleiben – falls etwa das Auto kaputt geht.
Sind alle Voraussetzungen erfüllt, steht einer Finanzierung nichts mehr im Weg. Und das ist auch für Maresa Bock immer ein schöner Moment. „Wir freuen uns für unsere Kundinnen und Kunden mit, wenn ihr Traum von den eigenen vier Wänden in Erfüllung geht.“
Text: Christian Baulig