„Wer ökonomisch plant, spart sehr viel Geld“
Keller oder Bodenplatte? Sattel- oder Flachdach? Parkett oder Laminat? Architektin Tatjana Sabljo erklärt, wie Bauherren die Kosten eines Neubaus oder einer Sanierung durch geschickte Planung im Rahmen halten können.
Frau Sabljo, der Kauf oder Bau einer Immobilie ist enorm teuer geworden. Was raten Sie Bauherren, die bei ihrem Projekt sparen wollen?
Das größte Potenzial steckt in den Quadratmetern: Die Baukosten für einen Quadratmeter Wohnfläche betragen bei einem Einfamilienhaus 3.500 Euro – dieser Wert lässt sich nur schwer unterschreiten. Bei einer Wohnfläche von 170 Quadratmetern macht das knapp 600.000 Euro. Man kann mit einer vierköpfigen Familie aber auch auf 140 Quadratmetern wunderbar leben. Wer Flächen ökonomisch plant, spart also gut und gerne 100.000 Euro.
Wie kann das gelingen?
Mit gut geplanten Räumen beziehungsweise Grundrissen lässt sich eine hohe Flächeneffizienz erreichen. Auf Nischen und überdimensionierte Flure sollte möglichst verzichtet werden. Fragen Sie sich: In welchen Räumen halte ich mich überwiegend auf? Diese Bereiche sollten mehr Fläche erhalten als solche, die nur selten genutzt werden. Möglicherweise können auch einzelne Räume mehrere Funktionen übernehmen. Ich bin zudem ein großer Fan von Schiebetüren, mit denen sich Räume je nach Bedarf verbinden oder trennen lassen.
Ist es sinnvoll, auf einen Keller zu verzichten?
Zumindest sollte man es prüfen, weil ein Keller sehr teuer ist. Unbedingt nötig ist er nicht: Moderne Energiesysteme benötigen deutlich weniger Fläche als früher, und Photovoltaikanlage und Wärmepumpe befinden sich in der Regel außerhalb des Gebäudes. Es muss lediglich relativ kompakte Haustechnik untergebracht werden, die auch in einem Raum im Erdgeschoss Platz finden kann.
Und die Fahrräder?
Fahrräder lassen sich ebenso gut in einem Unterstand auf dem Grundstück abstellen, was das mühsame Hinauf- und Heruntertragen überflüssig macht. Grundsätzlich sollte man sich die Frage stellen: Wie viel brauche ich zum Leben? Wer Kleidung, Spielzeug, Küchengeräte oder Dekoration regelmäßig aussortiert, kann den Bedarf an Stauraum deutlich reduzieren.
Sie haben bis jetzt viel von Verzicht gesprochen. Wo sollte man nicht sparen?
Zum Beispiel bei der Raumhöhe: 2,40 Metern gilt als das gesetzliche Mindestmaß, das in der Planung zugrunde gelegt wird. Hier bevorzuge ich Raumhöhen von 2,70 Meter oder 2,80 Meter, da sie den Räumen spürbar mehr Großzügigkeit verleihen.
Was empfehlen Sie bei der Wahl der Baumaterialien?
Billig ist selten günstig. Zwar ist ein Vinylboden in der Anschaffung kostengünstiger als Echtholzparkett. Langfristig rechnet sich jedoch das hochwertigere Material. Zum einen behält es über viele Jahre seine ästhetische Qualität, und zum zweiten lässt es sich bei Bedarf abschleifen und aufarbeiten. Der Mehrpreis von rund 50 Euro pro Quadratmeter amortisiert sich in der Regel – und es ist nachhaltiger! Auch bei der Fassade lohnt es sich, zur vermeintlich teureren Mineralfarbe zu greifen, da der Anstrich seltener erneuert werden muss als die kostengünstigeren Alternativen. Noch langlebiger ist ein Verblendmauerwerk.
Welchen Tipp geben Sie zur Gebäudegestaltung?
Wählen Sie einfache Gebäudekörper. Jede Auskragung und jeder Erker erhöhen die Baukosten. Je kompakter die Gebäudeform, desto geringer ist zudem die Außenfläche, über die das Haus Energie an die Umgebung verliert – und die umfangreich gedämmt und verkleidet werden muss. Große Fenster lassen zwar viel Licht ins Gebäudeinnere, jedoch sind große Fensterstürze aufwendig und teurer. Auch ein Flachdach kann sinnvoll sein. Die früher häufig geäußerten Bedenken hinsichtlich seiner Anfälligkeit sind heute weitgehend unbegründet.
Käufer von Altbauten haben weniger Gestaltungsfreiheit. Wo lässt sich hier sparen?
Baumaßnahmen wie der Ausbau eines Dachgeschosses können unter Umständen um einige Jahre verschoben werden. Es ist allerdings sinnvoll, Arbeiten aufeinander abzustimmen. Wer etwa eine Photovoltaik-Anlage installiert, sollte die Gelegenheit nutzen, gegebenenfalls das Dach neu zu decken. Es lohnt sich in jedem Fall, Fachleute hinzuziehen, um sowohl eine möglichst kosteneffiziente und fachgerechte Lösung zu entwickeln als auch Fördermittel zu nutzen. Eine Übersicht über Architektinnen und Architekten in der Region bietet die Seite des BDA Niedersachsen.
Was bringt die sogenannte Muskelhypothek?
Sie kann Bau- und Umbaukosten spürbar reduzieren. Eigenleistungen lohnen sich vor allem bei Arbeiten, die handwerklich überschaubar und keine sicherheitsrelevanten oder bauphysikalisch kritischen Bereiche betreffen. Es ist jedoch wichtig, den zeitlichen Aufwand, die eigene Qualifikation und die Schnittstellen zu den Fachgewerken realistisch einzuschätzen.
Interview: Christian Baulig
Foto: Julian Martitz
Tatjana Sabljo ist seit Dezember 2024 Vorsitzende des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Niedersachsen. Sie lehrt sie an der Hochschule Hannover Kontextuelles Entwerfen und Konstruieren und leitet das Architekturbüro SABLJO Architekten in Hannover.