Sechs Richtige gegen das Steinzeit-Ich

veröffentlicht am 8. April 2026 | Kategorie: Aktuelles

Sechs Richtige gegen das Steinzeit-Ich

Sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern, kostet viele Menschen Überwindung. Mit diesen sechs Tricks schaffen Sie es, einen Anfang zu machen – und dranzubleiben.

Wenn Andre Schomaker erklärt, warum sich viele Menschen schwer damit tun, fürs Alter vorzusorgen, lenkt er den Blick weit zurück in unsere Geschichte: „In der Steinzeit war es einfach nicht sinnvoll, für kommende Jahre vorzusorgen“, erklärt der Finanzexperte, der sich der Verhaltensökonomik verschrieben hat. „Die Menschen kämpften damals ums tägliche Überleben.“ Bei der Geldanlage neigen wir auch heute noch dazu, den unmittelbaren Nutzen höher zu schätzen als den künftigen. Doch wie schaffen wir es, den Neandertaler in uns zu überlisten, um effektiv fürs Alter vorzusorgen? Andre Schomaker gibt sechs Tipps:

1. Schalten Sie auf Automatik!

Für viele Menschen sind Finanzdinge eine Pflichtübung, die man gerne aufschiebt. Führen Sie sich vor Augen: Wenn Sie sich einmal richtig mit dem Thema beschäftigen, müssen Sie es lange Zeit gar nicht mehr. Am Ende einer individuellen Beratung mit einem Experten oder einer Expertin der Sparkasse sollte ein Sparplan stehen, bei dem jeden Monat ein bestimmter Betrag zum Beispiel in einen (oder mehrere) Investmentfonds fließt. Die regelmäßigen Einzahlungen schaffen eine Routine – und Sie haben das Thema „vom Zettel“.

2. Seien Sie nicht zu bescheiden!

Wählen Sie die monatliche Rate nicht zu knapp. Sie können wahrscheinlich mehr entbehren als Sie meinen. 200 Euro statt 150 Euro (oder 50 Euro statt 25 Euro) helfen dank Zinseszins, Ihre Sparziele schneller zu erreichen. Und falls das Budget für Haushalt und Freizeit doch zu knapp bemessen sein sollte, können Sie die Rate jederzeit herunterschrauben.

3. Nehmen Sie Kontakt auf mit Ihrem Zukunfts-Ich!

Klingt esoterisch – ist es aber gar nicht. Die Idee dahinter: Sie überlegen sich, was Ihr Leben heute lebenswert macht. Woran haben Sie Spaß? Im nächsten Schritt fragen Sie sich: Was davon möchten Sie auch in 30 oder 40 Jahren noch machen? Und welche Weichen müssten Sie heute stellen, damit Ihnen das später möglich ist? Wer seinem Ich im Jahr 2056 auch den Besuch im Fitnessstudio gönnt und den Tauchurlaub am Roten Meer, kümmert sich eher um die nötige Vorsorge.

4. Trauen Sie sich was!

Der Mensch neigt bei der Geldanlage dazu, Verluste stärker zu betrauern als (gleich hohe) Gewinne zu feiern. Das führt bei übervorsichtigen Naturen dazu, lieber gar nicht zu investieren. Oft hilft es, einen Schritt zurückzutreten und das Thema Geldanlage in einer größeren Dimension zu sehen. Auf jedes Tief folgt ein Hoch. Wer in einen breit gestreuten Weltaktienfonds (ETF) investiert, hat seit den 1970er-Jahren noch nie Verlust gemacht, wenn er wenigstens 15 Jahre dabeigeblieben ist. Mit diesem Wissen können Sie zeitweise Rücksetzer leichter verkraften – und überwinden sich leichter, mit dem Sparen anzufangen.

5. Trauen Sie sich nicht zu viel!

Richtig gelesen: Das Gegenteil gilt auch. Gerade junge Männer neigen manchmal zur Selbstüberschätzung. Social Media und Neobroker vermitteln zuweilen den Eindruck, dass man die eine Aktie unbedingt haben muss, um an der Börse reich zu werden. Wer der Herde folgt, kann richtig liegen – aber manchmal auch völlig daneben. Auf die Entwicklung von Einzelwerten sollte man nur mit „Spielgeld“ setzen. Für die langfristige Geldanlage mit dem Ziel einer zweiten Rente ist ein breit gestreutes Depot deutlich besser geeignet. Am besten entwickeln Sie gemeinsam mit jemandem an Ihrer Seite eine Strategie, die genau zu Ihnen und Ihren Wünschen passt.

6. Halten Sie durch!

Natürlich wird es Phasen geben, in denen Ihr Dax-ETF ins Minus rutscht oder der Schwellenländerfonds hinter dem Techfonds zurückbleibt. Widerstehen Sie dem Drang, Werte überstürzt zu verkaufen. Rufen Sie sich stattdessen den Moment ins Gedächtnis, in dem Sie sich entschieden haben, gerade auf dieses Anlageprodukt zu setzen. Bitten Sie gegebenenfalls die Person, mit der Sie Ihre Strategie ersonnen haben, zu einem Gespräch und gehen Sie die Argumente von damals nochmal gemeinsam durch. Hat sich an Ihren Wünschen und Plänen nichts geändert – bleiben Sie bei Ihrer Entscheidung!


Andre Schomaker ist ausgebildeter Bankkaufmann mit Bachelor in BWL und Wirtschaftspsychologie. Er lebt in Meppen.