Auswirkungen des Nahost-Kriegs
Der Krieg im Nahen Osten hat sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf heimische Unternehmen. Dr. Timo Plaga, Chefvolkswirt bei der Sparkasse Hannover, beleuchtet für Sie die aktuelle Situation. Einen Rat, wie Unternehmen auf die Herausforderungen reagieren können, finden Sie am Ende des Artikels.
Energiekosten
Die weitgehende Schließung der Straße von Hormus, durch die sonst etwa 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs transportiert werden, treibt die Öl- und Gaspreise weltweit. Aktuell notiert der Ölpreis der Sorte Brent bei etwa 100 US-Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von über 40 Prozent zu Ende Februar entspricht. Dies bedeutet höhere Produktionskosten insbesondere für energieintensive Branchen wie die Chemie- oder Metallverarbeitung. Darüber hinaus steigen die Transportkosten im Inland: Massiv gestiegene Kraftstoffpreise verteuern damit zusätzlich die Beschaffungskosten für Rohstoffe und Vorprodukte.
Logistik und Lieferketten
Durch die vom Iranischen Militär forcierte, regionale Ausweitung des Konflikts sind mittlerweile nicht nur die Straße von Hormus, sondern auch andere wichtige Seehandelsrouten durch das Rote Meer und den Suezkanal betroffen. Reedereien nehmen daher zum Teil schon den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) in Kauf. Das verlängert Lieferzeiten erheblich und stellt eine Belastungsprobe für internationale Lieferketten dar. Zudem sind die Frachtraten für Container sowie die Versicherungsprämien für den Transport in Kriegsgebieten sprunghaft angestiegen. Dies schmälert die Margen von Unternehmen, wenn sie die Mehrkosten nicht bzw. nur eingeschränkt an ihre Kunden weitergeben können.
Effekte auf Absatzmärkte
Mittelbar wirkt sich der militärische Konflikt im Nahen Osten auch über die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf die Unternehmen aus. Höhere Energiepreise und die allgemeine geopolitische Unsicherheit können dazu führen, dass Unternehmen geplante Großinvestitionen verschieben, was die Auftragsbücher der Hersteller von Investitionsgütern belastet. Privathaushalte sind von gestiegener Unsicherheit und steigender Inflation ebenso betroffen und halten sich bei nicht zwingend notwendigen Konsum- und Investitionsentscheidungen möglicherweise stärker zurück, womit auch der Einzelhandel betroffen ist.
Dauer der Krise ist entscheidend
Bleibt der Konflikt wie von US-Präsident Trump in den Raum gestellt auf wenige Wochen beschränkt, dürften die Folgen für das globale Wachstum gering und der Unternehmenssektor weitgehend unbeschädigt bleiben. Dieses Szenario wird mit fortschreitender Dauer des Konflikts aber zunehmend unrealistisch. Die Verlegung von zusätzlichen US-Militäreinheiten in die Region lässt eher auf eine Verlängerung bzw. eine weitere Eskalation des Kriegs schließen. Dauert er mehrere Monate an, dürfte die Weltwirtschaft zunehmend von höheren Ölpreisen und gestörten Handelsströmen belastet werden. In diesem Fall würde auch der für Deutschland in diesem Jahr erwartete Konjunkturaufschwung zwar nicht gänzlich zum Erliegen kommen, aber doch merklich ausgebremst werden.
Die monatlich gemeldeten Inflationsraten dürften in diesem Fall auf etwas über drei Prozent steigen, was die Kaufkraft der Privathaushalte belastet und die EZB zu Leitzinserhöhungen zwingen könnte. Schon jetzt sind aufgrund gestiegener Inflationserwartungen die Marktzinsen gestiegen, was die Refinanzierungskosten der Unternehmen erhöht.
Autor: Dr. Timo Plaga, Chefvolkswirt bei der Sparkasse Hannover
Herausforderungen für Unternehmerinnen und Unternehmer (Quelle: Auswirkungen des Iran-Kriegs | Sparkasse.de)
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind steigende Energie- und Rohstoffpreise eine zusätzliche Belastung. Viele Betriebe arbeiten mit engen Margen, und höhere Kosten können schnell die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Länger anhaltende Unterbrechungen im Schiffs- und Flugverkehr im Nahen Osten können auf vielen Wegen die Logistik stören.
Die größten Risiken für Unternehmen:
Steigende Betriebskosten: Energie, Rohstoffe und Transport werden teurer. Das belastet die Gewinnspannen.
Lieferkettenprobleme: Die Unsicherheit im Nahen Osten kann Lieferketten stören. Verzögerungen, höhere Frachtraten oder Ausfälle bei Vorprodukten sind möglich.
Planungsunsicherheit: Investitionen und Preisgestaltung werden schwieriger, weil die Kosten schwer kalkulierbar sind und die Nachfrage schwanken kann.
Wie kann Ihr Unternehmen reagieren?
Kostenmanagement intensivieren: Überprüfen Sie Ihre Kostenstruktur genau und identifizieren Sie Einsparpotenziale.
Lieferanten diversifizieren: Wo möglich, sollten alternative Lieferanten geprüft werden, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
Energiekosten absichern: Langfristige Verträge oder Finanzinstrumente können helfen, Preisschwankungen abzufedern.
Kommunikation stärken: Offene Gespräche mit Kunden und Mitarbeitenden schaffen Verständnis für notwendige Anpassungen.