„Ich möchte in Hannover etwas bewegen“

Kristina Kasubke, Innenarchitektin B.A.(in der Mitte), mit Stefanie Jakubka (l.), Fachberaterin im Center für Nachfolge und Gründung und Carsten Mönnecke (r.) vom FirmenkundenCenter der Sparkasse Hannover
Kristina Kasubke leitete mit einer Partnerin zehn Jahre lang ein erfolgreiches Innenarchitekturbüro. Nun startet sie mit einer neuen Firma noch einmal durch – unterstützt von der Sparkasse Hannover.
Von außen wirkt der zweigeschossige Flachbau im Gewerbegebiet von Hainholz mit seiner Waschbetonfassade ziemlich unwirtlich. Im Innern jedoch überrascht er mit originellen Details: Schränke in Gelb und Rosa, Neonstreifen im Bad – und eine kupferfarbene Discokugel an der Decke. Farbpunkte in einem entkernten Raum mit blanken Pfeilern. Man erkennt sofort – hier waren Gestaltungsprofis am Werk. Verantwortlich für dieses Design ist Kristina Kasubke. „Wenn ich einen Raum betrete, kann ich mir sehr genau vorstellen, wie er hinterher aussehen wird“, sagt die Innenarchitektin. Aus bestehenden Gebäuden das Schöne, Unerwartete und auch Nützliche herauszuholen, das sei ihr Antrieb, erklärt sie. Und in diesem Feld hat sich die 41-Jährige gerade noch einmal neu erfunden.
Kreativ sein wollte Kristina Kasubke schon immer. Als Kind träumte sie von einer Karriere als Modedesignerin. Nach der Schule ging sie zunächst einen anderen Weg, arbeitete bei der Conti-Tochter Vergölst als Groß- und Außenhandelskauffrau im Kreditmanagement. Doch der Traum, gestalterisch zu arbeiten, blieb. 2008 schaffte sie die Aufnahme am Institut für Innenarchitektur der Hochschule Hannover. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst für einen Bauträger und gründete dann mit der Architektin Anne-Kathrin Langenberg das Büro RAUMWÄRTS.
Zeit für etwas Neues
Nach rund zehn Jahren merkte Kasubke jedoch: Es ist Zeit für etwas Neues. „Ich wollte noch einmal was Eigenes entwickeln, aus mir herauskommen“, sagt Kasubke. Das erzählte sie auch Bernd Rokahr, einem Kollegen, der an der Hochschule ihr Professor war und ein Innenarchitekturbüro mit drei Angestellten betrieb. Der 65-Jährige hat bereits für die Heimkehr Wohnungsgenossenschaft und Rossmann gearbeitet, die Galerie für Fotografie in Hannover aufgefrischt und die St. Paulus Pfarrkirche Göttingen stilvoll erneuert. Auch Rokahr wollte sich verändern – mehr Zeit für die Rolle als Großvater haben und endlich mal wieder mit dem Camper reisen. Er bot Kasubke an, seine Firma zu übernehmen. Nach kurzer Bedenkzeit stimmte Kristina Kasubke zu. Denn so konnte sie auf dem Fundament eines in der Region bekannten Büros aufbauen und es mit ihrer eigenen Perspektive weiterentwickeln.
Für einen geschmeidigen Übergang schmiedeten die beiden einen Plan: Kasubke wurde für ein Jahr Angestellte in Rokahrs Büro. Im Frühjahr 2025 dann meldete sie sich bei Stefanie Jakubka vom Center Nachfolge und Gründung der Sparkasse Hannover mit dem Plan, die Firma zur Jahresmitte zu übernehmen. Mithilfe einer Gründungsförderung durch die KfW und einer Absicherung über die Bürgschaftsbank Niedersachsen konnte der Kaufpreis finanziert werden. Daneben setzte die Nachfolgerin auch eigene Mittel ein. „Der Zeitplan war sportlich – aber Frau Kasubke hat direkt beim ersten Termin mit einer großartigen Präsentation gezeigt, was sie vorhat. Das hat mich neben der guten Auftragslage überzeugt“, sagt Beraterin Jakubka.
Rollentausch an der Firmenspitze
Im Juli 2025 war es dann so weit. Kristina Kasubke wurde zur Geschäftsführerin von ria.vision. Der Name steht sowohl für Raum im Aufbruch – ist aber auch Hinweis auf die Wurzeln des Büros: Rokahr Innenarchitekten. Bernd Rokahr, so die Abmachung, wurde zunächst für ein Jahr Angestellter bei Kasubke. „Im Sommer schauen wir uns dann in die Augen und sehen, wie es weitergeht“, sagt sie. Sie sei sehr dankbar für diesen Weg des Übergangs, für die Kontinuität gerade im Kontakt mit Kunden, die Bernd Rokahr einbringe.
Sie selbst steuert ihr eigenes Netzwerk und ihre Stärken bei. Und dazu zählt die ganzheitliche Sicht auf Innenarchitektur: „Ich gestalte gerne Räume, die nicht nur schön sind, sondern den Menschen echten Mehrwert bringen“, sagt Kasubke. Ihr Fokus sind Bestandsgebäude, oft geht es um den Umbau von Büros, zunehmend aber auch um den Ausbau bislang leerstehender Flächen zu Wohnungen. Besonders spannend findet Kasubke Schulen, auch wenn öffentliche Aufträge nicht die größten Margen bringen. „Das sind Orte der Zukunft“, sagt sie. Eines ihrer beiden Kinder kommt bald in die fünfte Klasse, die Familie hat zuletzt einige Schulen besichtigt – und den Modernisierungsbedarf der Bauten gesehen. Eines von Kasubkes Lieblingsprojekten war die Umgestaltung der Oberschule in Gehrden. Offene Lernflächen, Ruheräume, in die man sich gerne zurückzieht, viele Farbakzente. „Da tiefer einsteigen, diese so wichtigen Orte zu echten Wohlfühlräumen für alle zu machen, das macht mir viel Freude“, erzählt die Innenarchitektin.
Die Geschäfte laufen gut, heute besteht das Büro aus sieben Köpfen, Kasubke denkt bereits über die nächsten Entwicklungsschritte nach – über kurz oder lang womöglich auch über einen Umzug. Carsten Mönnecke vom FirmenkundenCenter der Sparkasse Hannover hat sie schon mal mit dem Immobilien-Team der Sparkasse in Kontakt gebracht. „Es ist immer gut, die Augen offen zu halten“, sagt Kasubke. Aktuell fühle sie sich mit dem Team in dem Hainholzer Büro jedoch wohl. Wichtiger als reines Wachstum sei ihr ohnehin die Ausrichtung: „Ich möchte mit meiner Arbeit in Hannover etwas bewegen“, sagt Kasubke. Innenarchitektur werde leider oft unterschätzt, meist stehe sie im Schatten der Architektur. „Dabei verbringen wir doch so viel Zeit drinnen“, sagt Kasubke. Und ergänzt: „Räume prägen unseren Alltag stärker, als wir denken.“
Text: Gerd Schild
Fotos: Helge Krückeberg