Coole Ideen

Lena und Mattheo Will, Eisstübchen Gehrden mit Corinna Müller (links) vom FimenkundenCenter
Handgemachtes Eis, regionale Zutaten und Automaten, die auch nachts verkaufen: Matteo und Lena Will verbinden mit ihrem Eisstübchen in Gehrden italienische Familientradition mit neuen Vertriebswegen und einer großen Portion Unternehmergeist.
Man sagt „Moin“ im Eisstübchen Gehrden, aber auch „Buongiorno“. Neben Klassikern wie Stracciatella und neueren Sorten wie Butter-Salz-Karamell kommt hier unter anderem Sanddorn auf den Eislöffel. „Echt aus Ostfriesland“, sagt Matteo Will. Der 32-Jährige sitzt neben seiner Frau Lena im hinteren Bereich des Eisstübchens. An den Wänden Fotos aus der bewegten Eis-Geschichte der Familie, das Interieur eine Mischung aus Italien und Nordseeküste: Hinter Lena Will hängt das Bullaugen-runde Bild eines Leuchtturms mit Dünengras. „Ich wollte immer mehr als ,nur‘ eine Eisdiele“, sagt Matteo Will. „Wir gehen gerne neue Wege“, sagt Lena Will. Dieses Unternehmertum lebt das Ehepaar nun seit fünf Jahren – auch dank der Unterstützung durch die Sparkasse Hannover.

Eisstübchen in Gehrden
Matteo Wills Großvater Luigi Botteon machte sich Ende der 1950er-Jahre auf den Weg nach Deutschland. Er stammte aus Conegliano, einem Dorf im „Tal der Eismacher“ zwischen Venedig und den Dolomiten. 1962 machte Matteos Nonno, wie man den Großvater in Italien nennt, in Esens das Eiscafé Venezia auf: deutsche Nordseeküste, flaches Ostfriesland, die Insel Langeoog nur eine kurze Fährfahrt entfernt. Bald hatte die Familie weitere Eisdielen und Restaurants eröffnet. Matteo Will ist auf Langeoog aufgewachsen. „Ich habe meine Hausaufgaben entweder im Eiscafé oder im Restaurant meiner Eltern gemacht“, erzählt Will. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Koch und blieb auf Langeoog. Die Familie von Lena Will lebt in Gehrden und hat auf der Insel ein Ferienhaus. Vor einigen Jahren trafen sich die beiden in einer Bar und verliebten sich. Danach wollte Matteo Will bloß mal Urlaub in Gehrden machen – und blieb einfach.
Ende 2021 erfüllten sich Matteo und Lena dann ihren Traum: das Eisstübchen. Sie renovierten viele Monate, brachten Licht und Luft in die angestaubte Immobilie – und seit Juni 2022 gibt es hier handgemachtes Eis mit regionalen Zutaten wie der Hemme-Milch. Matteo Wills Nonno hat die Eröffnung des Ladens noch miterlebt und vor seinem Tod den Eismacher-Enkel beraten. „Es macht mich schon stolz, diese lange Tradition fortzuführen – auf unsere frische Art“, sagt Will.
Schokoladensorbet aus dem Automaten

Eisautomat in der Große Bergstraße
Das Geschäft mit Eis könnte einfacher sein. Die Kosten sind zuletzt gestiegen: für Energie, Rohstoffe, Personal. Den Sommer kann man nicht verlängern, aber die Eissaison schon, wenn man gute Ideen hat – zum Beispiel neue Vertriebswege. Im Labor füllt ein Mitarbeiter gerade Schokoladensorbet ab. Ein Drücken aufs Fußpedal, schon fließen 125 Milliliter der fluffigen Masse in den Becher. Vor dem Deckel kommt noch eine Folie darauf – das sichert die Qualität. Diese Mini-Variante und die Halbliter-Version kann man mittlerweile in der ganzen Region kaufen: in Supermärkten oder in vier Automaten, die rund um die Uhr Eis anbieten.
Unzählige Stunden hat Matteo Will mit der Recherche nach der passenden Technik verbracht. Heute hat eine App auf dem Handy, die anzeigt, ob noch genug Eis in den bislang vier Automaten liegt, die Temperatur stimmt oder irgendein Problem anliegt. „Die Recherche hat sich gelohnt,“ sagt Will. „Die Kunden sind begeistert, und wir sind es auch.“
Die Automaten, jeder so teuer wie ein Kleinwagen, hat die Sparkasse Hannover finanziert. Zwei weitere werden die Wills bald aufstellen, insgesamt hätte Matteo Will gerne zehn der Maschinen. Corinna Müller, Firmenkundenberaterin der Sparkasse Hannover, begleitet das junge Unternehmerpaar seit deren Gründung, die Wills setzen bei praktisch allen Finanzthemen rund ums Geschäft, aber auch privat, auf die Sparkasse. „Die beiden sind kreativ, unglaublich engagiert und leben einfach das Unternehmertum“, sagt Müller. Aktuell gibt es einiges zu besprechen zwischen Müller und den Wills. Die wollen bald die Produktion erweitern. Denn die Nachfrage ist riesig. 20 Standorte beliefern die Wills bereits heute, darunter große Filialen von Edeka und Rewe, 30 stehen auf der Warteliste. „Es ist schmerzhaft, bei einer Anfrage eines Supermarkts abzusagen“, sagt Lena Will. Aber man wolle eben die Qualität hochhalten.
Zuschuss für die Abikasse
Mit der Region sind die beiden Eismacher eng verbunden. Neben ihren langjährigen Angestellten beschäftigen sie ein Dutzend Schüleraushilfen, die meisten vom Matthias-Claudius-Gymnasium in Gehrden. Für die hat Will ein eigenes Abi-2026-Eis kreiert, mit Himbeere und weißer Schokolade – 50 Cent von jeder Kugel gehen in die Abikasse.
Die Wills möchten weiter wachsen und dabei den Spaß am Eismachen nicht verlieren. Da hilft es sicher, dass sie mit viel Arbeit und wenig Schlaf gut zurechtkommen. Im vorletzten Winter haben sie sogar noch ein Kinderbuch geschrieben, erzählt Lena Will und lacht: „Uns war wohl langweilig.“
Text: Gerd Schild
Fotos: Helge Krückeberg