Mehr als ein Spiel

veröffentlicht am 21. August 2026 | Kategorie: Aktuelles

Gaming-Technologien als Innovationstreiber für Unternehmen

Spiele, die nicht nur primär der Unterhaltung dienen, sondern Wissen vermitteln und Fertigkeiten trainieren, nennt man „Serious Games“. Zusammen mit der sogenannten Gamification, sind diese „ernsten Spiele“ im Unternehmenskontext angekommen. Aktuelle Marktanalysen erwarten für die Branche in den kommenden Jahren jährliche Wachstumsraten von bis zu 17 Prozent*.

Wie Serios Games bereits heute erfolgreich eingesetzt werden und welche Ansätze für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) interessant sind, konnten die Besucher der Talk-Reihe „Gaming meets Business“ Ende Juni in Hannover erleben.

Der Impulsvortrag zum Auftakt zeigte, warum das Thema so aktuell ist: Das Wissen in Unternehmen wächst rasant an Menge, Komplexität und Geschwindigkeit, von KI über Compliance und Datenschutz bis zur Cybersicherheit. Klassische Schulungsformate stoßen dabei an Grenzen, denn vieles ist schon nach wenigen Wochen wieder vergessen. Die Lernforschung erklärt, woran das liegt: Menschen lernen vor allem durch Erleben. Wir merken uns besonders gut, was wir selbst tun, was Emotionen auslöst, wobei wir Fehler machen dürfen und unmittelbar Feedback erhalten. Genau diese Bedingungen bringen Spiele von Natur aus mit: Sie laden zum Ausprobieren und Wiederholen ein, erlauben Scheitern ohne Risiko und belohnen Fortschritt sofort. Bereits 1938 beschrieb der Kulturhistoriker Johan Huizinga den Menschen deshalb als „Homo ludens“, als spielendes Wesen, das sich Fähigkeiten und Kultur durchs Spiel aneignet.

Anhand von Beispielen – unter anderem von BMW, der Deutschen Bahn und Siemens – erfuhren die Teilnehmenden, wie sich Wissen mithilfe von Serious Games nachhaltig vermitteln lässt. Mitarbeitende lernen dabei mit Spielen oder spielähnlichen Anwendungen, die auf konkrete Lern- und Entwicklungsziele ausgerichtet sind. Sie können realistische Situationen durchspielen, Entscheidungen treffen und Fehler machen – ohne Risiken oder Folgekosten. Da sich die digitale Anwendungen problemlos skalieren lassen, können viele Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen gleichzeitig trainieren. Eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2025 bestätigt zudem, dass spielerische Trainings in vielen Untersuchungen messbare positive Effekte erzielen.

 

„Wer Lernen und Entwicklung interaktiv gestaltet, schafft Erlebnisse, die im Gedächtnis bleiben – und Ergebnisse, die messbar sind“, sagt Serkan Yücebas, Gründer des Hannoveraner Unternehmens Gamify Me. Gerade im Mittelstand liegen hier enorme Potenziale für Effizienz, Fachkräftesicherung und Innovationskraft.“

 

Wie KMU von Gaming-Technologien profitieren

Viele Technologien, die ursprünglich für Videospiele entwickelt wurden, schaffen inzwischen auch in anderen Branchen einen konkreten Mehrwert:

  • Training und Weiterbildung: Virtuelle Realität und Simulationen ermöglichen praxisnahe Schulungen. Die Deutsche Bahn setzt beispielsweise seit 2018 eine VR-Anwendung ein, mit der Mitarbeitende all 28 Arbeitsschritte zur Bedienung des im ICE 4 eingebauten Hublifts realitätsnah trainieren können, ganz ohne dass dafür ein Zug aus dem Betrieb genommen werden muss.
  • Planung und Entwicklung: 3D-Simulationen und digitale Zwillinge helfen dabei, Produkte, Anlagen und Prozesse frühzeitig zu testen. BMW hat sein neues Werk im ungarischen Debrecen vollständig digital abgebildet und die Produktion dort bereits rund zwei Jahre vor dem Serienanlauf virtuell gestartet. Produktionsabläufe konnten so simuliert und optimiert werden, bevor sie real umgesetzt wurden. Auch die aus der Spieleentwicklung stammende Unreal Engine nutzt der Autobauer, etwa bei der Planung des Werks für den BMW i4.
  • Recruiting und Employer Branding: Gaming spricht insbesondere jüngere Zielgruppen an. Siemens entwickelte mit SIEYA eine Web-App, in der Interessierte in Mini-Spielen Stromstärken messen, Sensoren programmieren oder per 3D-Tour die Ausbildungszentren erkunden. So erhalten potenzielle Auszubildende spielerische Einblicke in verschiedene Berufsbilder.
  • Teambuilding: Auch interne Gaming-Formate können den Zusammenhalt stärken, etwa durch E-Sport-Turniere oder gemeinsame Challenges. Gleichzeitig fördern sie digitale Kompetenzen und schaffen neue Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit.

Die Beispiele zeigen: Unternehmen müssen keine eigenen Serious Games entwickeln, um von Gaming-Technologien zu profitieren. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen eröffnen sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten: von der Weiterbildung über die Planung bis hin zum Recruiting.

Wer das Thema weiter vertiefen möchte, hat dazu am 9. September auf der UNLEASH Startup-Convention Gelegenheit. Die Sparkasse Hannover ist mit dabei: Als Sponsorin der Veranstaltung unterstützt sie den Austausch auf der Gaming-Bühne.

Text und Grafik: hannoverimpuls
Foto: Gamify Me

 


Quellen:

https://www.databridgemarketresearch.com/de/reports/global-serious-game-market
The role of games and gamification in business and training: a systematic review
Serious-Games-und-Gamification_Serkan-Yuecebas.pdf

https://www.game.de/wp-content/uploads/2020/07/game-Fokus-Serious-Games.pdf
https://www.researchandmarkets.com/report/serious-gaming
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10494820.2025.2547270
https://www.iwkoeln.de/studien/mehr-als-nur-ein-spiel-518995.html
https://www.deutschebahn.com/de/eve_2-6900130
https://akeyi.de/know-how/siemens-sieya