Was nicht passt, wird passend gemacht

veröffentlicht am 21. August 2026 | Kategorie: Best Practice

v.l. Jan Jacoby und Sören Adam-Wanglien, die Geschäftsführer von Diconfa

Diconfa produziert Matten, Schläuche und Profile auf Maß – und erspart Kunden so eine Menge Arbeit und Abfall. Der Zuschnitt geschieht meist per Hand, Vertrieb und Konfiguration sind bei dem Sparkassen-Kunden jedoch hochtechnisiert.

Der Gartenfan braucht für das kleine Stück Grün vor dem Reihenhaus bloß sieben Meter Wasserschlauch. Die Mieterin benötigt eine Fußmatte aus Gummi für ihre schmale Türschwelle. Und der Modellbauer verbastelt regelmäßig bunte Acrylplatten, die kleiner sind als handelsüblich. Das gemeinsame Problem: Die Standardmaße passen nicht, Käufer müssen mehr bestellen als sie brauchen, das Material zurechtschneiden und den Rest wegwerfen.

Für diese und ähnliche Probleme halten Jan Jacoby und Sören Adam-Wanglien mit ihrem Unternehmen Diconfa in Wettbergen seit zwei Jahren eine Lösung parat. Wer etwa „Gummimatte für Pickup-Ladefläche“ bei Google eingibt, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit im Shop der beiden Gründer. Bei Diconfa kann man 2D- und 3D-Teile aus Gummi, Kunststoff oder Metall nach Wunschmaß bestellen. Im Hochregal lagern unterer anderem Gummimatten für Werkzeugwagen, Aluprofile für den Möbelbau und Dichtungen für Dachfenster. Das Prinzip kommt an, das Geschäft wächst rasch.

Jacoby kennt sich mit dem Zuschnitt von Rohmaterial aus. Er ist Gesellschafter bei Forum Technik, einem Mittelständler in Pattensen, der für große Kunden wie Miele per Wasserstrahl unter anderem Bleche und Gummi in die gewünschte Form bringt, Adam-Wanglien ist der Tüftler, der Kunden per Webshop grenzenlose Möglichkeiten zum Konfigurieren von Produkten bieten möchte.

Mit einem weiteren Gesellschafter aus Berlin, der KI- und Programmier-Knowhow beisteuert, gründeten die beiden vor zwei Jahren Diconfa. Im Juni 2024 hat die Firma die ersten Produkte bei Amazon eingestellt. 2025 machte sie bereits einen Umsatz von 4 Millionen Euro, 2026 wird es voraussichtlich mehr als das Doppelte sein. Um die rund 600 Bestellungen pro Tag kümmern sich mittlerweile 33 Mitarbeiter.

KI beim Vertrieb, Handarbeit beim Zuschnitt

Die Stärke von Diconfa ist die Stückzahl eins – schnell geliefert, millimetergenau abgeschnitten. Wer etwa auf der Website einen „PU-Absaugschlauch transparent“ ordert, kann Längen zwischen zehn Zentimetern und zehn Metern Länge ordern. 33 Durchmesser stehen zur Auswahl. Wofür die Kunden die Produkte benötigen, weiß Firmenchef Jacoby meist selbst nicht. „Vielleicht Laufwege in einem Hamsterkäfig?“ kommentiert er schmunzelnd ein paar transparente Röhren, die versandbereit auf einem Tisch liegen.

Was überrascht: Der Vertrieb mag von KI und Automatisierung getrieben sein, in den Produktionshallen in Wettbergen überwiegt Handarbeit. In den Hallen schneiden gleichzeitig mehrere Mitarbeiter Gummimatten auf das gewünschte Maß – messen mit Maßband, legen eine metallische Schneidehilfe an, ziehen mit der scharfen Klinge. Fertig für den Versand.

Der aktuelle Schwerpunkt sind die Gummiprodukte. Die kennt Jacoby von seinem Stammunternehmen Forum Technik. Von Gummimatten in allen Varianten hat man sich langsam verbreitert. „Wir gehen mit dem Markt“, sagt Jacoby. Die Gründer scannen bei Amazon einzelne Produktgruppen, bei denen es nur wenig Varianten gibt, bestellen eine kleine Charge Rohmaterial, erstellen mittels KI Produktseiten mit Fotogalerien, bewerben die Produkte intensiv über Google Ads und schauen, was passiert.

Das Angebot kommt besser an, als die Gründer erwartet haben. „Ich hätte so gerne mehr Zeit“, sagt Adam-Wanglien. Es gebe so viele Produkte, die man nicht nach Wunschmaß bestellen kann – und Mitbewerber, so beschreibt es der Gründer, die „innovationstechnisch auf dem Baum leben“.

Abkehr von Amazon

Wenn die Diconfa-Chefs anderen Unternehmern erzählen, dass sie jeden Monat große Summen für Google Ads ausgeben, ernten sie oft Unverständnis. „Und das soll sich lohnen?“, hören sie regelmäßig. „Natürlich lohnt sich das“, sagt Adam-Wanglien, generiere doch jeder dort investierte Euro ein Vielfaches an Umsatz. Aktuell kommt die Mehrzahl der Aufträge noch über Amazon – doch in den nächsten Monaten soll der Webshop für den meisten Umsatz sorgen.

Jan Jacoby mit Dirk Fiedler, Berater aus dem FirmenkundenCenter der Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die Hausbank des Unternehmens, hat etwa die Mietsicherheit für die Halle finanziert und berät die Gründer auch privat rund um Themen wie die Altersvorsorge. Dirk Fiedler, Berater aus dem FirmenkundenCenter Mittelstand, kennt Jacoby schon lange über Forum Technik. „Das Wachstum, der Ehrgeiz der Gründer, das ist schon beeindruckend“, sagt Fiedler. Nachdem die Firma am Anfang auf ein paar Hundert Quadratmetern in Pattensen gearbeitet hatte, kamen die Gründer über das Kunden-Netzwerk von Dirk Fiedler in Kontakt zum Vermieter der Halle in Wettbergen. Fast 4000 Quadratmeter hat das neue Objekt. „Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass die Sparkasse auch bei solchen Themen so gut vernetzt ist“, sagt Jan Jacoby. Aktuell sucht Fiedler zusammen mit dem Team Gewerbeimmobilien der Sparkasse Hannover eine weitere oder größere Halle. Denn bald soll der nächste große Schritt folgen – ein leistungsstarker DXF-Konfigurator. Kunden können damit eine digitale Zeichnung hochladen, aus einer Sonderanfertigung würde ein digitaler Standardprozess.

Solche Dienste sind nicht nur für Firmenkunden interessant, sondern auch für die sogenannte Maker-Szene, also Privatleute, die über heute leicht zugängliche CAD-Systeme Einzelteile für ihre Hobbys konstruieren. Details zu Umsetzung und Wachstumszielen wollen die Gründer noch nicht verraten, aber bei der Finanzierung kommt wieder die Sparkasse ins Spiel. „Es bleibt spannend“, sagt Dirk Fiedler.

 

Text: Gerd Schild
Fotos: PS-ART