O’zapft is!
Im „Wirtshaus Wülfel“ erfüllen sich zwei erfahrene Gastronomen ihren Traum von guter deutscher Küche in gemütlichem Ambiente – mit viel Platz sogar für den Messe-Ansturm. Mit der Sparkasse Hannover haben sie das Projekt an der Hildesheimer Straße zukunftsfest gemacht.
Das Outfit passt. Vasil Tsikhishvili ist gerade in seine bayrische Tracht geschlüpft, die Krachlederne, die kniefreie Lederhose, das rot-weiße Hemd, die Weste, dazu der gefilzte Hut. Alles Original, im Sommer erst gekauft bei einem Besuch an der Zugspitze. „In der Küche ziehe ich das aber nicht an – zu warm“, sagt Tsikhishvili und lacht.

Bayern ist nah im „Wirtshaus Wülfel“, erst recht beim Besuch Mitte September, als parallel in München die „Wiesn“ beginnt. Das Wirtshaus ist seit mehr als einem Jahr das Herzensprojekt von Julia Werner und Vasil Tsikhishvili. Werner, 41, und Tsikhisvili, 49, sind keine Anfänger. Elf Jahre führten sie gemeinsam das Woodstock, nur ein paar Gehminuten vom neuen Standort nahe der Haltstelle Bothmerstraße entfernt. Die beiden haben schon länger überlegt, sich zu vergrößern, als sie Ende 2024 hören, dass die „Ouzeria“ an der Hildesheimer Straße zu haben ist. Sie führen Gespräche, denken Ideen durch, dann steht der Plan: Ein Wirtshaus soll es werden, gemütlich, mit guter deutscher Küche, das die Menschen aus der Stadt genauso anzieht wie Besucher der nahen Messe.
Seit dem Frühling 2025 führen sie nun das „Wirtshaus Wülfel“. Die Aufteilung ist gleich geblieben: Werner kümmert sich um den Service, Tsikhishvili ist Herr der Küche. Platz genug haben sie nun auch – innen ist Raum für rund 200 Gäste, im Biergarten draußen für weitere 150. „So ein rustikaler Ort passt zu mir“, sagt Julia Werner, zeigt durch den großen Gastraum mit seinem hellen Holz und den blau-weißen Fahnen. „Ich scherze gerne auch mal mit den Gästen.“
Gemütliche Atmosphäre, guter Businessplan
Der Umzug war ein Kraftakt – auch finanziell. „Das war schon nicht ohne“, sagt Julia Werner. Zum in der Branche üblichen Abschlag auf Teile des Inventars kamen die Kosten für den Umbau, da waren sie schnell im sechsstelligen Bereich. Aus dem in Grüntönen gehaltenen, griechischen Restaurant wurde ein rustikal-elegantes Gasthaus, das sich so auch in München nicht verstecken müsste. „Unser Tischler hat da ganze Arbeit geleistet“, lobt Küchenchef Tsikhishvili. Bei der Finanzierung half die Sparkasse Hannover, über einen klassischen Kredit mit zehnjähriger Laufzeit.

Firmenkundenberater Dominik Siebert (links) kennt sich mit der Gastronomie aus und betreut das Unternehmerpaar seit den ersten Gesprächen
Dominik Siebert, Berater aus dem FirmenkundenCenter, kennt sich mit der Gastronomie aus. Seine Eltern haben 40 Jahre lang ein Restaurant im Umland Hannovers geführt. „Die Zahlen und das ganze Konzept überzeugen sogar Gastroprofis“, sagt Siebert. Er betreut das Wirtshaus-Team seit den ersten Gesprächen. „Die beiden sind einfach ein überzeugendes Team, haben eine klare Aufteilung, kennen die Branche und wissen, was sie wollen“, sagt er. Ihn überrascht es daher nicht, dass die Zahlen aus dem ersten Jahr die Erwartungen sogar übertroffen haben.
Das Engagement der Brauerei Paulaner hilft ebenfalls. Das „Wirtshaus Wülfel“ ist der zweite Paulaner-Standort in Hannover. Die Münchner bieten faire Abnahmebedingungen, stellen Teile des Inventars und haben sich sogar an der Finanzierung beteiligt. „Das ist für uns eine doppelte Absicherung, denn so ein Unternehmen prüft ebenfalls sehr genau, welche Gastronomen es unterstützt“, sagt Siebert. Dazu komme die bekannte Marke, die für das Image zusätzlich wichtig sei.
Anderthalb Jahre nach der Eröffnung ist im Wirtshaus eigentlich immer was los: Viel altes Stammpublikum aus dem Woodstock kommt, Gäste nutzen den Mittagstisch und freuen sich über die regelmäßige Live-Musik an den Abenden – dazu gibt es dann Obazdn mit Brezn, Leberkäs, Schnitzel, Biergulasch, Schweinshaxe, aber auch Vegetarisches wie Käsespätzle oder Breznknödel mit Pilzrahm aus der Küche von Vasil Tsikhisvili. Und gegen den Durst fließen gleich acht Sorten Bier aus der Zapfanlage. Die ersten Stresstests waren die Messen im Vorjahr. Da gingen dann bei der Agritechnica schon mal 600 Essen am Tag über den Tresen. Gut, dass die Familien der beiden Betreiber mithelfen, wenn Bedarf ist.
Kochen und braten mit Sonnenstrom

Julia Werner und Vasil Tsikhishvili blicken dankbar auf die Startphase – und optimistisch nach vorne: „Wir haben viel gelernt und wollen ständig besser werden“, sagt Werner. Der nächste Schritt steht bereits an: Jeden Monat zahlen sie fast 2.000 Euro Stromkosten. Deshalb soll nun eine Photovoltaikanlage aufs Dach, mit bis zu 70 Kilowatt Spitzenleistung, die mehr als die Hälfte des Bedarfs decken soll. Dazu stehen bald Gespräche mit Berater Dominik Siebert an. „Das wird sich lohnen, auch wenn die beiden das Restaurant nur pachten“, sagt der Sparkassen-Berater.
Die Kooperation mit Paulaner hat für die Betreiber des „Wirtshaus Wülfel“ noch einen netten Nebeneffekt. Kurz nach dem Besuch von Berater Siebert steht für die beiden eine Reise zum Oktoberfest nach München an, auf Einladung des Brauereipartners geht es auf die Wiesn. „Wir sind das erste Mal dort“, sagt Julia Werner, „und kommen sicher mit neuen Ideen zurück.“
Text: Gerd Schild
Fotos: Alexander Demandt, PS-Art