„Gute Vorbereitung beginnt nicht mit der neuesten Technologie, sondern mit einem soliden Fundament.“
Geopolitische Krisen, fragile Lieferketten und der digitale Wandel verändern die Rahmenbedingungen für Unternehmen. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Wie wirkt sich das auf den Wirtschaftsstandort Hannover aus? Wo liegen die Chancen für Unternehmen in der Region? Und wie können sie sich auf neue Entwicklungen im internationalen Zahlungsverkehr vorbereiten? Darüber sprechen Dr. Timo Plaga, Chefvolkswirt der Sparkasse Hannover, und Marina Barth, stellvertretende Vorstandsvorsitzende und für das Firmenkundengeschäft der Sparkasse verantwortlich.
Wie sieht die wirtschaftliche Situation am Standort Hannover aktuell aus?
Dr. Timo Plaga: „In der Region steht die Automobil- und Zulieferindustrie unter erheblichem Transformationsdruck, dazu belasten die energiepreisbedingten Kostensteigerungen die Rentabilität vieler Betriebe und führen im Einzelhandel zu einer spürbaren Konsumzurückhaltung.
Am regionalen Arbeitsmarkt sehen wir eine Verschiebung der Beschäftigung hin zu wissens- und technologiebasierten Dienstleistungen wie IT-Services, Consulting und technische Beratung. Diese sehen wir neben der Energiewirtschaft, der Logistikdrehscheibe Hannover sowie der ausgeprägten Finanz- und Versicherungsbranche als Wachstumsmotor für die Region.“
Wo sehen Sie für Unternehmen in unserer Region Chancen im Bereich Digitalisierung und KI?
Dr. Timo Plaga: „Für Unternehmen in der Region Hannover bietet die Verknüpfung von traditionellen Kernindustrien mit Digitalisierung und KI enorme wirtschaftliche Potenziale. Automatisierte Frachtdokumentationen und KI-gestütztes Risikomanagement machen beispielsweise die Logistik- und Zulieferindustrie effizienter und Lieferketten resilienter gegenüber globalen Engpässen.
Hannover als Universitäts- und Hochschulstandort verfügt dabei in puncto Forschung und Know-how über einen echten Standortvorteil, um die Übertragung dieser Technologien in die unternehmerische Praxis zu unterstützen.
Unternehmen, die jetzt in KI-gestütztes Wissensmanagement und Prozessautomatisierung investieren, sichern sich nicht nur erhebliche Effizienzvorteile, sondern können auch dem Fachkräftemangel effektiver begegnen.“
Wie können sich Unternehmen auf neue Entwicklungen im internationalen Handel und bei digitalen Währungen vorbereiten?
Marina Barth: „Gute Vorbereitung beginnt nicht mit der neuesten Technologie, sondern mit einem soliden Fundament. Wir begleiten Unternehmen dort, wo internationaler Handel konkret wird: bei Zahlungen, Währungsabsicherung, Finanzierung und dem Zugang zu Märkten.
Dieses Fundament ist auch die beste Vorbereitung auf neue Entwicklungen wie digitale Währungen und den digitalen Euro. Wer seine Währungsrisiken, Zahlungswege und Compliance-Anforderungen im Griff hat, kann neue Technologien später gezielt und sicher bewerten.“
Fotos: Maik Pryzklenk, Franz Fender