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Klimaschutz kostet nicht, er bringt Gewinn!

Klimaschutz kostet nicht, er bringt Gewinn!

Reduzieren, Recyceln, Re-designen: Eine nachhaltige Unternehmensausrichtung wird in Zukunft immer wichtiger für den Geschäftserfolg. Doch viele Unternehmen erkennen noch keinen Gewinn. Die Steuerberaterin Dr. Janine von Wolfersdorff erklärt, weshalb Betriebe von Nachhaltigkeitsmaßnahmen profitieren und wie sie den Transformationsprozess anstoßen.

Sie sagen: „Nachhaltigkeit ist keine Ideologie, sondern Business!“ Heißt: Eine nachhaltige Unternehmensausrichtung ist entscheidend für künftigen wirtschaftlichen Erfolg. Warum?

Das Wirtschaften jenseits planetarischer und sozialer Belastungsgrenzen ist und wird zunehmend zum Geschäftsrisiko. Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz müssen Unternehmen jetzt mit Maßnahmen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens rechnen.

Dr. Janine von Wolfersdorff

Was bedeutet das für Unternehmen? Worauf sollten sie achten?

Klimarisiken wie CO2-Preise sollten sie in ihre Risikomanagement- und Controlling-Systeme integrieren und Produktsortimente sowie Geschäftsmodelle daraufhin überprüfen. Zu beachten sind Reputations-, Kostensteigerungs- und Umsatzrisiken. Zusätzlich sind „physische Klimarisiken“ zu beachten. Dürre und Überschwemmungen etwa führen zu Ernteausfallrisiken in Lieferketten für nachwachsende Rohstoffe. Wer sich nicht wandelt, bekommt künftig auch nicht mehr so „günstig“ einen Kredit, weil Klimarisiken die Kreditvergabe verändern.

Ob in der Landwirtschaft, im Handel oder in der Industrie – viele Betriebe sagen aber: Eine immer nachhaltigere Ausrichtung können wir uns ökonomisch gar nicht leisten …

Das Argument, dass Klimaschutz „kostet“, ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Die Welt wandelt sich – mit Regulierung, Kundennachfrage und neuen Anforderungen seitens der Banken, Investoren und Anleger. Nur wer hier mitgeht und diese Entwicklungen nicht mit Ideologie verwechselt, wird künftig Geschäftserfolg haben. Für die Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie gilt das besonders: Nachhaltige Bodenbewirtschaftung ist gut für das Klima, die Erntesicherheit und bessere Erträge. Zudem bietet der Transformationsprozess Richtung Nachhaltigkeit Unternehmen viele Chancen: ein besseres, motiviertes Personal, steigende Umsätze, neue Ertragspotenziale und Geschäftschancen, Kostensenkungen sowie das Heben von Innovationspotenzialen etwa. Das ist empirisch nachgewiesen.

Wie lässt sich die Transformation zu einer nachhaltigen Unternehmensstrategie anstoßen?

Es geht um tiefgreifende Strukturveränderungen. In Familienunternehmen beginnt das häufig mit einem Workshop, in dem formuliert wird, wo der Betrieb derzeit steht und wo er, zum Beispiel in puncto Klimaschutzzielen, hinwill. Nachhaltigkeit umfasst alle Unternehmensbereiche. Bisherige Ziel-Vorgaben wie „Zehn Prozent günstiger einkaufen“ unterstützen jedoch eher eine kurzsichtige Geschäfts-Optimierung, da das mit Risiken in der Lieferkette bei nachwachsenden Rohstoffen einhergeht.

Sie unterstützen Unternehmen, indem Sie mit ihnen Reportingstrukturen aufbauen und Kennzahlen definieren, mit denen sie ihre Nachhaltigkeit messbar machen. Weshalb profitieren Betriebe davon?

Mittels dieser Finanzdaten präsentiert ein Unternehmen etwa im Geschäftsbericht, wie nachhaltig es wirklich agiert: Baut es sein Geschäftsmodell und seine Investitionen darauf auf, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten? Wie viel investiert es in Klimaschutz und Nachhaltigkeit? Wie viel Energie, Wasser oder Düngemittel spart es dadurch künftig? Durch dieses True Cost Accounting zeigt ein Unternehmen, dass es seine Wirkungen und Geschäfts-Risiken, z. B. in der Lieferkette, im Blick hat und misst. Dadurch lässt sich zum Beispiel der CO2-Fußabdruck messen, minimieren und sogar in positive Klimawirkung umwandeln. Das ist für Kunden sowie für Banken im Sinne von Sustainable Finance von Interesse. Das heißt: sie beziehen Umwelt-, soziale und Unternehmensführungsaspekte in ihre Entscheidungen mit ein. Diese neuen „harten“ Finanzindikatoren der Nachhaltigkeitslage sind für Unternehmen wie Geldgeber heute und in Zukunft steuerungsrelevant.


Sechs Tipps, wie Unternehmen von Nachhaltigkeit profitieren:

  1. Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen wie den CO2-Fußabdruck mithilfe digitaler Lösungen ermitteln und diese in Controlling- und Risikomanagement-Systeme integrieren.
  2. Workshop initiieren, um eine Nachhaltigkeitsstrategie mit Zielen und Maßnahmen zu verabschieden.
  3. Nachhaltige Spar- und Anlagelösungen sowie Fördermöglichkeiten, z. B. für Energieeffizienzmaßnahmen, mit der Sparkasse Hannover besprechen.
  4. Möglichkeiten der Steueroptimierung in der Transformation beim Steuerberater erfragen.
  5. Maßnahmen im Unternehmen gegenüber Kunden und der Sparkasse Hannover unter anderem durch aussagekräftige Lage- bzw. Nachhaltigkeitsberichte kommunizieren.
  6. Finanzindikatoren der Nachhaltigkeitslage mit aufzeigen, die die Innovationskraft, Effizienzpotenziale und Resilienz des Unternehmens widerspiegeln.


Sie kritisieren, dass die Bilanzen nicht nachhaltiger Unternehmen teilweise besser aussehen als die Bilanzen nachhaltiger Firmen. Woran liegt das?

Die Rechnungslegungssysteme setzen gegenwärtig falsche Anreize: Zukunftsinvestitionen werden nicht als solche kenntlich und können zu großen Teilen das Jahresergebnis verhageln. Bei einem Immobilienkauf etwa wird die Grunderwerbsteuer als Nebenkosten des Gebäudes mit aktiviert – davon ausgehend, dass hier kein Wert vernichtet und nur Vermögen umgeschichtet wird. Wenn allerdings noch kein einzelner Vermögensgegenstand greifbar scheint, sondern erstmal „nur“ Mitarbeiter umgeschult und weitergebildet werden, wenn Berater ins Haus geholt werden, die das Unternehmen bei der Transformationsstrategie unterstützen und der Vertrieb reorganisiert wird, dann sind das Reorganisationsaufwendungen, die nur als Aufwand und Verlust verbucht werden. Für den Strukturwandel wurde hierfür schlicht noch kein Aktivposten definiert, obwohl Werte für die Zukunft geschaffen werden.

Umgekehrt werden Risiken nicht-nachhaltig wirtschaftender Unternehmen ebenfalls nicht hinreichend in den Geschäftsberichten abgebildet. Finanzielle Nachhaltigkeitsrisiken müssen jedoch erläutert und von Wirtschaftsprüfern geprüft werden. Eigene Verlustrisiken für das Unternehmen ohne Außenverpflichtung werden schließlich bilanziell nur im Ausnahmefall abgebildet, etwa wenn eine Lieferung ausfällt, kurzfristig teuer das jeweilige Gut eingekauft werden muss und daraus wegen fester Kundenverträge dann ein Verlustgeschäft droht.

Das alles hat dann wiederum Auswirkungen auf Rating und Kreditverhandlungen, was insoweit nicht förderlich für die Transformationsfinanzierung ist. Das wird häufig schlicht noch nicht umgesetzt, wird sich jedoch kurzfristig ändern.

Wie könnte die Politik aus Ihrer Sicht positive Anreize sowohl bei den Unternehmen als auch im Finanzmarkt schaffen, um schnell mehr Kapital in den Umbau der Wirtschaft zu lenken?

Mit Führungskräften und Kolleginnen aus der Wissenschaft haben wir hierzu gerade erst 25 Empfehlungen für kritische Reformen vorgelegt: www.zukunftsweisen.de. Für nachhaltige Finanzen brauchen wir nicht nur eine neue, verbesserte Rechnungslegung, sondern auch eine Steuerpolitik, die nachhaltiges Wirtschaften endlich belohnt!

Dr. Janine von Wolfersdorff
Steuerberaterin und Expertin für ESG-Accounting (Environmental, Social and Governance) Dr. Janine von Wolfersdorff berät Wirtschaft und Politik zu Fragen der Rechnungslegung im Strukturwandel und True Cost Accounting. Sie ist Fellow am The New Institute und Advisory Board Member im internationalen Finanznetzwerk OMFIF. Zuvor war sie 10 Jahre Geschäftsführerin des Instituts Finanzen und Steuern e.V. in Berlin.

Interview: Swantje Puin
Foto: Dr. Janine von Wolfersdorff


Wenn ich mein Unternehmen nachhaltiger aufstelle: Welche Vorteile entstehen daraus konkret? Welche Hindernisse gilt es zu überwinden? Dies und mehr diskutierten Experten am 7. Oktober 2021 auf der Veranstaltung „Nachhaltigkeit – zwischen sozialer, ökonomischer und ökologischer Verantwortung“ von hannoverimpuls und Sparkasse Hannover. von Wolfersdorff betonte dort, wie wichtig es ist, dass nachhaltige Unternehmen in der Rechnungslegung besser aussehen. Schauen Sie rein! Hier geht es zur Aufzeichnung.

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