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„Das können nur fortgeschrittene Banken und Sparkassen“

Dr. Ingo Schoenheit, Geschäftsführender Gesellschafter der imug Beratungsgesellschaft

Das erste Nachhaltigkeits-Rating der Sparkasse Hannover ist abgeschlossen – und das Ergebnis liegt vor: Insgesamt 67 Punkte und eine Gesamtbewertung von „gut“ wurde erreicht. Was das zu bedeuten hat und wie es mit den Erkenntnissen nun weitergeht? Herr Dr. Schoenheit von der imug Beratungsgesellschaft gibt einen Einblick.


Herr Dr. Schoenheit, Sie haben 1995 als Geschäftsführender Gesellschafter die imug Beratungsgesellschaft gegründet, wozu auch die imug Rating GmbH gehört, eine der etabliertesten deutschen Nachhaltigkeits-Ratingagenturen. Was ist das vorrangige Ziel eines unabhängigen Nachhaltigkeits-Ratings und für welche Unternehmen ist ein solches Prozedere sinnvoll?

Es geht um ein objektives Feedback für ein Unternehmen, das von einer unabhängigen und kompetenten Seite „von außen“ formuliert wird. Alle Unternehmen und Institutionen haben ja – die fast „natürliche“ Tendenz – immer ein bisschen „geschönt“ darzustellen. Wer sich objektiv über die Nachhaltigkeit eines Unternehmens oder über ein „grünes“ Produkt informieren will, wird auf Aussagen, Informationen und Bewertungen, die von unabhängiger Seite ausgesprochen werden, nicht verzichten. Und wenn sie fragen, für welche Unternehmen das sinnvoll ist, dann ist die erste Antwort: für alle Unternehmen. Die zweite Antwort lautet dann aber auch: Vor allem für die Unternehmen, die durch ihr Geschäftsmodell und / oder ihre Größe für die Region eine besondere Bedeutung haben. Also auf jeden Fall für die Sparkasse Hannover.

Recherchieren, Interviews führen, Ergebnisse analysieren – wie kann man sich die Arbeit in einem Rating-Prozess vorstellen? Welche Bereiche werden genau unter die Lupe genommen und welche Quellen zu Rate gezogen? Können Sie das am Beispiel der Sparkasse Hannover einmal deutlich machen?

Wieviel Seiten bekomme ich bei dieser Frage für eine erschöpfende Antwort zur Verfügung gestellt? In Kurzform: Bei einer mehr oder weniger nachhaltigen Bank oder Sparkasse geht es um das Kerngeschäft. Also nicht der möglicherweise vorhandene Kindergarten, der mit einer Solaranlage betrieben wird, fällt ins Gewicht, sondern die Produkte und Dienstleistungen werden untersucht. Und selbstverständlich wird dieser wunderbare Kindergarten auch beachtet, wobei die Frage, ob das gesamte Unternehmen klimaneutral funktioniert, wichtiger ist, als einige Vorzeigeprojekte, die man bei größeren Unternehmen immer findet. Und auch die Eigenanlagen einer Bank haben doch einen merklichen Impact auf die Nachhaltigkeit und werden deshalb auch bei externen Nachhaltigkeitsratings mit bewertet.

Die Sparkasse Hannover hat sich freiwillig einem Rating-Prozess unterzogen. Gibt es viele regionale Finanzinstitute, die dies bereits tun?

Nein. Bisher haben sich noch nicht viele regionale Finanzinstitute einem externen Rating unterzogen. Die Sparkasse Hannover ist ja auch bei der inzwischen gesetzlich geregelten nichtfinanziellen Berichterstattung ein absoluter Vorreiter gewesen.

Ist es in Zukunft absehbar, dass ein Nachhaltigkeits-Rating verpflichtend für Unternehmen sein wird?

Davon gehen wir nicht aus. Es gibt Vorschriften über die nichtfinanzielle Berichterstattung und durch die Sustainable Finance Initiative der EU kommen weitere gesetzliche Anforderungen auf die Finanzinstitute zu. Eine möglichst glaubwürdige Transparenz über die tatsächliche Nachhaltigkeit herzustellen, bleibt – ich finde das ist auch „zu hoffen“ – im Entscheidungsspielraum der Unternehmen.

Unser Haus wurde in ihrer Nachhaltigkeitsleistung insgesamt als „gut“ beurteilt. Wie müssen wir das einordnen? Kann uns das stolz machen?

Absolut. Die Sparkasse Hannover ist in meinen Augen in der Sparkassen-Welt ganz weit vorn. Als erste Sparkasse wurde der Deutsche Nachhaltigkeitskodex unterschrieben, es gibt ein klares nachvollziehbares Commitment zur Klimaneutralität, die Eigenanlagen werden einem guten Nachhaltigkeitsfilter unterzogen. Was man jedoch auf jeden Fall beachten muss, ist das grundlegende Geschäftsmodell. Die Sparkasse Hannover will (und muss) Dienstleistungen und Service für alle Bürgerinnen und Bürger und für alle Unternehmen in der Region anbieten. Sie kann – und ich ergänze für mich – sie sollte das auch nicht versuchen, sich ausschließlich an ein besonders nachhaltigkeits-affines Klientel zu wenden. Um es schlicht zu sagen: Eine Sparkasse ist etwas anderes als eine GLS-Bank.

Welche Vorteile bringt der Sparkasse Hannover so ein Rating-Ergebnis?

Die Sparkasse hat sich einem externen Überprüfungsprozess unterzogen. Ohne dass ich im Detail dazu etwas sagen kann, vermute ich einfach, dass in diesem Überprüfungsprozess bereits einzelne Lücken identifiziert wurden. Insgesamt ist solch ein Rating ein Impuls den internen Verbesserungsprozess zu unterstützen. Und wenn die Sparkasse das will, dann kann sie mit diesem Rating auch im Sinne eines „Labels“ werben.

Was kann die Sparkasse Hannover Ihrer Meinung nach im Nachhaltigkeitsmanagement im ersten Schritt optimieren, um das Rating-Ergebnis zu verbessern?

Die einzelnen Punkte sind in den ausführlichen Kommentierungen aufgelistet. Der Anteil von Produkten und Dienstleistungen, die man als explizit nachhaltig bezeichnen kann, liegt „nur“ bei 6%. Da ist Luft nach oben. Auch die Berücksichtigung von sogenannten ESG-Kriterien in der Kreditvergabe, aber auch in der wichtigen Immobilienfinanzierung kann (vermutlich) noch besser geregelt werden.

Gibt es Finanzunternehmen die exzellente Rating-Ergebnisse vorweisen können? Und wenn ja: Was machen die anders?

Mit wem will man sich vergleichen? Ich hatte schon oben auf den Unterschied von einer „Sparkasse“ und einer „expliziten Nachhaltigkeits-Bank“ hingewiesen. Das aktuelle Ratingergebnis liegt bei ca. 67 Punkten. Das entspricht ziemlich genau zwei Drittel der maximal erreichbaren Punktezahl und ist nach meinen Beobachtungen ein im wörtlichen Sinne gutes Ergebnis. Das können nur fortgeschrittene Banken und Sparkassen (also Unternehmen, die sich bereits über einen längeren Zeitraum mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen) erreichen.

Kann sich die Sparkasse Hannover überhaupt mit diesen Instituten messen?

Ja und Nein. Ja, es ist immer gut zu schauen, was eine andere „Vorreiter-Bank“ ausprobiert. Zum Beispiel testen einige wenige Banken einen so oder auch anders genannten ESG-Kredit aus. Der Zinssatz für den Kreditnehmer verringert sich im Zeitverlauf, wenn er nachweislich zum Beispiel mehr für den Klimaschutz tut. Gute Idee, könnte man sagen. Aber passt das zur Sparkasse? Welche Kreditkunden der Sparkasse würden sich auf solch ein Konzept einlassen? Welche zusätzlichen Kosten entstehen? Das Ergebnis eines solchen Benchmarks lautet dann wahrscheinlich: passt nicht zu uns. Vielleicht: Passt noch nicht zu uns.

Wir wollen als Sparkasse die nachhaltige Transformation der regionalen Wirtschaft unterstützen. Wo sind da konkret unsere Hebel?

Bei dieser Knaller-Frage zum Schluss werde ich dann selber noch allgemeiner als „Sie“. Hannover als Stadt und Region ist sich ja selbst nicht so sicher, wer man wirklich ist und wie toll oder langweilig die Stadt ist. Hannover hat aber jede Menge Potenzial, sich als frisch, innovativ und nachhaltig zu verstehen und auch darzustellen. Die Sparkasse ist ein sehr guter Netzwerker in der Stadt. Sie könnte ihre Möglichkeiten nutzen, eine positive und auch nachhaltige Aufbruchsstimmung zu unterstützen. Mir würde das gefallen.

Weitere Informationen zum Nachhaltigkeitsbestreben der Sparkasse Hannover finden Sie hier: Nachhaltig für Hannover und die Region

Fotos: Christian Wyrwa, Adobe Stock
Text: Dr. Ingo Schoenheit, Tanja Finke

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